Zwei Doppeladler - ein Schicksal?

WAS DER WESTEN WILL

Georg Dekas
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25. Februar 2023

Der Westen will die Ukraine ganz, mit Haut und Haar, nur für sich allein. Er will sie besitzen. Unermessliche Reichtümer winken.

Vor einem Jahr hat die Russische Föderation (RF) in den seit 2014 schwelenden Bürgerkrieg in der Ukraine eingegriffen und so den «Westen» vollends gegen sich aufgebracht. Die RF schießt seitdem mit scharfer Munition aus allen Rohren, der Westen schießt mit heilloser Propaganda aus allen Kanälen zurück – und liefert Waffen, Zieldaten, Sabotagetrupps. Die Leute hierzulande sind bis oben hin gefüllt mit Herz-Schmerz für die leidenden und tapferen Menschen im Kriegsgebiet. Sie schwenken blaugelbe Fähnlein und reden von Freiheit für und Solidarität mit der Ukraine. Dabei bemerkt das meist unterinformierte Volk nicht, wie sein zutiefst menschliches Mitgefühl für ein ganz großes Machtspiel missbraucht wird.   

Dieses Machtspiel wird erst dann erkennbar, wenn man die Nebelkerzen der Propaganda und all die wohltönenden und hohen Worte beiseite schiebt, derer sich die jeweiligen Parteien kostenlos bedienen.

Dann muss man zur Kenntnis nehmen, dass sich in der Ukraine seit dem 24. Februar 2022 zwei Weltblöcke in einem offenen und zugleich verdeckten Krieg gegenüberstehen.  Ja, der Westen – im Kern USA/GB/EU – ist Kriegspartei, und zwar eine überlegene, sowohl in Waffenstärke als auch in Propaganda, die seit 1933 die selbe geblieben ist: Freedom and Democracy, auch wenn der Inhalt mittlerweile gar nicht mehr zum Etikett passt. Auf der Gegenseite steht der letzte große Vielvölkerstaat Russland in seinem vielleicht letzten Gefecht. Der größte Flächenstaat und die größte Atommacht der Welt beruft sich auf das Recht auf Selbstverteidigung, was angesichts seiner Größe paradox erscheint, aber nüchtern gesehen zutrifft. In seiner Propaganda recycelt Russland ebenfalls altbekannte Werte – in diesem Fall den Mythos des antifaschistischen Widerstands im «Großen Vaterländischen Krieg». So was zieht im Westen nicht. Auf dem Feld der Propaganda hat der Westen großartig abgeräumt, auch dank des begnadeten Kommunikators W. Selenski in Kiew. Würde nur das allein zählen, hätten der Westen und die Kiewer Regierung den Krieg längst gewonnen.

Aber so einfach geht das nicht. Große Staaten und Kulturräume, die nicht der direkten Kontrolle der USA mit ihren über 800 Militärbasen auf der ganzen Welt unterstehen, stehen dem Westen misstrauisch gegenüber. Sie verstehen, dass die RF ihnen die heißen Kastanien aus dem Feuer holt, indem sie den Anspruch des Westens, die Ukraine unter seine Fittiche zu bekommen, konterkariert. Denn der kriegerische Akt Russlands ist ein riesiges Stoppschild, das dem Raubtier- und Heuschrecken-Kapitalismus der Globalisten entgegen gehalten wird. Russland, China, Indien, Brasilien und andere, aufstrebende Staaten in Afrika und Lateinamerika, aber auch die islamische Welt, mithin mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, sehen das grausame Spiel in der Ukraine in etwas anderen Farben, als es im Westen aufgezogen und ins Gemüt gehämmert wird. 

Man muss nicht einmal auf die russische Propaganda zugreifen, um diese andere Seite zu sehen, denn sie ist sehr klar und einfach zu begreifen, sobald der «Schleier der Maya» einmal weg ist.

Der Westen will die Ukraine ganz, mit Haut und Haar, und nur für sich allein. Er will sie besitzen. Unermessliche Reichtümer winken: Bodenschätze, Ackerland, Wasser, weiße, gut ausgebildete Fachkräfte, Pflegerinnen. Bald wird das Land wieder aufgebaut, da gibt es unendlich viel Geld zu verdienen, die Goldgrube der Waffenindustrie wird eine nahtlose Fortsetzung haben. Wer sich die größten Firmen und Finanzplätze der Welt ansieht, weiß, dass die USA damit noch ein Stück größer werden und die im Westen herrschenden Oligarchen noch ein Stück mächtiger. Und am Horizont winkt neue Beute. Sollte die RF diesen Waffengang verspielen, droht dem Vielvölkerstaat Russland der Zerfall, wie es einst mein geliebtes «Kaiserthum», die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, getroffen hat.

 

Um dieses Menetekel an der Wand zu veranschaulichen, habe ich mir im Titelbild erlaubt, die beiden Staatswappen dieser Vielvölker-Giganten aneinander zu stellen. 

 

Wenn aber die RF zerfällt, werden die einzelnen Bundesstaaten Russlands vom globalen Finanzkapital filettiert – die besten Stücke herausgeschnitten und …geschluckt. So wie der Westen das bereits mit Jelzin-Russland ab 1990 versucht hatte und es geklappt hätte, wäre nicht dieser schreckliche Putin und sein KGB dazwischen gekommen. Diesmal, bei einem neuerlichen Zerfall des Machtzentrums Kreml würde es klappen, weil man beim übrig bleibenden Rest mit dem unschlagbaren «divide et impera» vorgehen könnte. Das ist es, was der Westen in der Ukraine wirklich will. 

Die Volksrepublik China könnte sich dann ausrechnen, das nächste Opfer der Cowboys und ihrer geilen EU-Groupies zu werden. Und Indien hat schon längste Erfahrung mit westlicher, kolonialer Ausbeutung und will sicher nicht noch einmal in dieser Schnappfalle landen. 

Der vorläufige Vorteil des Westens ist, dass er den aufstrebenden Gesellschaftsschichten «Karriere» anbieten kann, den Massen aber den Überfluss an Konsumgütern und den Schein von Freiheit. Das sind starke Motive, um sich auf die Seite des Westens zu schlagen.

Nur muss man sehen, dass der Gegenblock des Westens immens groß ist und nicht schläft. Das kommunistische China hat die industrielle  Marktwirtschaft eingeführt und feiert damit Rekord-Erfolge, Russland und Indien gehen ihren eigenen sozialen und ökonomischen Weg in der Mitte zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Brasilien folgt hierin auf dem Schritt. Genau genommen und perspektivisch gesehen sind die bevölkerungsreichsten Staaten der Erde die eigentlichen Erben der deutschen «sozialen Marktwirtschaft», und ich glaube, dass dies am Ende ein überzeugenderes Gesellschaftsmodell ist als die US-amerikanische Kultur der Quartalsgewinne und einer Gesellschaft ohne Krankenversicherung im Gewalt- und Drogenrausch, in der zusammen mit der Wall Street die Geheimdienste und das Militär die eigentliche Macht innehaben.

Hoffentlich kommt es an Don und Dnjepr bald zu einem Waffenstellstand und zu echten Friedensverhandlungen. Für die Menschen dort am Reibungspunkt der beiden großen geopolitisch-tektonischen Blöcke ist das dringend zu tun. Auch und gerade für uns in Europa: Russland hat klar gesagt: Wir verteidigen uns mit allen Mitteln, wenn es sein muss, auch mit Atomwaffen. Wenn sich die RF in die Enge getrieben sieht, und nur das zählt, und kein anderer Justament-Standpunkt, dann weiß man jetzt schon, wie die RF reagieren wird. Wer also heute einen Frieden in der Ukraine hintertreibt (wie Biden) oder zu hoch hängt (wie Selenski), der verantwortet den atomaren Holocaust.

Selbst wenn das nukleare AUS für die gesamte Menschheit noch einmal verhindert werden kann, würde die eigentliche Auseinandersetzung zwischen den beiden geopolitischen Blöcken anhalten und sich neue Fronten suchen. Der Westen WILL NICHT verzichten, denn sein Wesen ist die Gier und die Wollust, und der Rest der großen weiten Welt KANN NICHT verzichten, es sei denn um den Preis der Selbstaufgabe und der postkolonialen Unterwerfung.  

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