Meraner Vedute (c) dege 2023

KATHARINAS WELT

Georg Dekas
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30. Dezember 2023

Köpfchen und Kreide: Merans SVP-Vizebürgermeisterin Zeller im Dolomiten-Interview.

Es verwundert nicht, dass ihr die Lieblingsredakteurin einen Fünfspalter samt Starporträtfoto in Martha Ebners Zeitung widmet. Was die Katharina Johanna Zeller darin so alles sagt, das hat es in sich. Große Interviews verschaffen Ehre, sagen aber oft manches aus, was besser unter der Decke geblieben wäre.

Ein Köpfchen

Die junge Frau, die im Bürgermeister-Rennen bei den Gemeinderatswahlen 2021 die Bronzemedaille errang (mit etwa halb so viel Stimmen wie die beiden Gewinner von Gold und Silber), führt sich als Grande Dame auf. „So kann man nicht Politik machen“ belehrte sie kürzlich ihre italienischen Koalitionspartner, von deren Gnaden sie Vizebürgermeisterin ist, und tut so, als sei sie eine alte Häsin im Metier. Dabei ist sie ein politischer Newcomer, der sich mit Anwaltsberuf, Bürgermeisterberuf und Mutterberuf die Schippe ziemlich voll genommen hat. Aber Köpfchen, ja, das hat sie.

Frau ißt Kreide

Was im Dolomiten-Starporträt vom 30. Dezember 2023 heraussticht, das sind nicht die wohlfeilen Lippenbekenntnisse von der Art: „ich bin nicht so wichtig“, „das entscheidet die Partei“, „mir geht es um unsere Kinder“. Das Interview ist gespickt mit dergleichen „Iss-Kreide“-Formeln. Keine Frage, die werden ihre Wirkung auf die behäbige Leserschaft nicht verfehlen – so wie ihre Meta-Botschaften an den zukünftigen Wunschregierungspartner, die Grünen.

Technokratie vor Demokratie?

Für aufmerksame Beobachter sticht etwas ganz anderes heraus. Frau Katharina Zeller zeigt nämlich ein ausgesprochen technokratisches Verständnis von Demokratie, also ein äußerst schwaches, dafür aber einen deutlichen Hang zum Dezisionismus. Sagt sie doch glatt und sinngemäß: ‚Ach, was kümmert mich die Abstimmung im Gemeinderat. Die Standseilbahn geht weiter, es wird schon wieder eine Gelegenheit kommen, wo wir das Ding durchziehen.‘

Wer entscheidet?

Wer da was durchzieht, bleibt im Dunkeln – verborgen hinter einer ehernen Wand aus „Daten“ und „Fachleuten“. Die sagen nämlich, wo es lang geht. Für die Zeller scheint ein absolut richtungsweisender demokratischer Grundsatzbeschluss einer Stadt nicht mehr zu sein als ein mittlerer Betriebsunfall, durch den sich die Technokraten der übergeordneten „Provinz“ nicht allzusehr drausbringen lassen sollten. Und Leute aus der Bürgerschaft, die (berechtigt oder nicht) ihre Abberufung vom Amt fordern, sind einfach nur nicht „elegant“, weil sie „nachtreten“.

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