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KONSERVATIV

Georg Dekas
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16. März 2023

Oft geht es ganz leicht zu sagen, was konservativ ist – etwa bei diesen Konserven: Feinste Fruchtaufstriche.

 

Darf ich vorstellen:

 

Dialog der Weißen Pfirsiche STAUD’S WIEN

Schmeckt wie ein Gedicht, also ist es ein Gedicht, wennschon, und kein Dialog. Konservativ sein heißt, auf verbalen Firlefanz zu verzichten. Weiße Pfirsiche genügen vollends. Das wahre Edelprädikat dieser Wiener Kostbarkeit versteckt sich hinten. Auf der Rückseite  steht unschön in den gesetzlichen Angaben: 70% Pfirsiche. Das macht die Güte. Orden einer Konserve. Gehört vorne hin, auf die Brust!

 

(Bild oben)

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Reine Frucht Orange STAUD’S VIENNA

Koste die Köstlichkeit und entdecke den Geschmack  …von Apfelgelee. Jetzt lies genauer, was unter der „reinen“ Frucht steht:  „Mit Apfelfruchtsüsse & Apfelsaftkonzentrat gesüsst“. Die Schlauen vom Marmeladen-Marketing haben sich halt gedacht: Heute will keiner mehr Zucker drauf stehen haben auf seinem Konserven-Glas. Na, dann nemma halt Fruktose, das klingt eh nach Frucht! Ich meine, die Armen tun ja alles, um den „Konsumenten“ entgegen zu kommen und zu gefallen…

Jetzt sage ich aber, was konservativ ist: Eine Orangen-Marmelo hat eine Orangen-Marmelo zu sein und nicht ein „Apfelfruchtsüsse“-Stück! In die Marmelo* g’hört Zucker hinein, am besten Rohrzucker aus der Karibik, wie seit 1650! Und wer’s nicht verträgt, der soll frisch zu einem Diabetiker-Produkt greifen oder weniger von dieser „reinen“ Frucht löffeln: Wozu sie mit ihrer breiigen Konsistenz ohnehin verführt. So etwas ist weak-woke, ist dekadent. Eine richtige Marmelo ist bernsteinfarbene Essenz und nichts weniger. Schützen wir das Echte, Wahre: Das ist konservativ, auch bei Fruchtkonserven.

(* Marmelo, Honigapfel, das ist der portugiesische Ursprung der Marmelade)

 

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Marille weniger Kalorien*– d’arbo Kalorienbewusst

Bei dieser Konserve stimmt die reine Fruchtangabe. Der Rest ist Marketing. Ja, ich verstehe… sie wollen ja nur das Beste „für dich und mich“ (Migros), die geplagten Produzenten von Genuss. Dennoch: Wer abnehmen will, soll weniger essen. Das ist konservativ. Nicht Spartam, Saccharin und anderes Kunst-Zeug in die Marmelade mischen. So was ist weak-woke, das Gegenteil von konservativ.

Übrigens, habe einen netten Zeitungshintergrund gefunden für diese unkonservative Konserve von DARBO: Der Touri-Hotspot Gröden rühmt sich einer „Bescheinigung“ für „Nachhaltigkeit“ – auch da woke Heuchelei, konsumentenfreundlicher Etikettenschwindel. Wär’s nur das, geschenkt. Aber unter solchem verbalen Firlefanz leiden die Qualität und das Original.

 

 

 

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zitat

Konservativ sein ist das Gute suchen, das nicht aus dem Kopierer kommt.

 

(Georg Dekas)

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